Eichhase (Zhu Ling)
Ein Pilz, der seit 2500 Jahren in Rezepturen der chinesischen Medizin als Zhu Ling verwendet wird — ein starkes harntreibendes Mittel. Moderne Studien zum isolierten Polysaccharid PPS betreffen vor allem Hepatitis B und krebshemmende Mechanismen im Reagenzglas, nicht die eigenständige Supplementierung.
Inhaltsverzeichnis
Kurz gesagt
Ein Pilz, der seit 2500 Jahren in Rezepturen der chinesischen Medizin als Zhu Ling verwendet wird — ein starkes harntreibendes Mittel. Moderne Studien zum isolierten Polysaccharid PPS betreffen vor allem Hepatitis B und krebshemmende Mechanismen im Reagenzglas, nicht die eigenständige Supplementierung.
- →Traditionell in der chinesischen Medizin als eines der stärksten pflanzlichen harntreibenden Mittel eingesetzt — der Effekt wurde vor allem an Tiermodellen bestätigt
- →In China zugelassene Arzneimittel auf PPS-Basis, seit 1990 als begleitende Therapie bei Hepatitis B eingesetzt — eine Übersicht über mehr als 11.000 chinesische klinische Fälle deutete auf einen günstigen Effekt hin, besonders in Kombination mit der antiviralen Standardtherapie
- →In-vitro-Studien an menschlichen Blasenkrebs-Zelllinien zeigten, dass das homogene Polyporus-Polysaccharid deren Proliferation und Migration hemmte — eine frühe Stufe präklinischer Evidenz, keine klinische Studie an Patienten
| Lateinischer Name | Polyporus umbellatus (syn. Dendropolyporus umbellatus) |
|---|---|
| Familie | Stielporlingsverwandte (Polyporaceae) |
| Aktive Substanzen | Polysaccharid PPS (Beta-1,3/1,6-Glucan) |
| Form | Getrocknetes Sklerotium für TCM-Abkochung; Kapseln/Injektionen mit PPS sind nur in China zugelassene Arzneimittel |
| Evidenzniveau | Hypothese — überwiegend in vitro, Tiermodelle und Beobachtungsdaten aus China |
| Interaktionen | Diuretika, Immunsuppressiva |
| Status | In Polen teilweise geschützte Art; kein Status als eigenständiges Nahrungsergänzungsmittel in der EU |
Verstehen
Überblick
Der Eichhase (Polyporus umbellatus, Synonym Dendropolyporus umbellatus) ist ein seltener Pilz, der einen charakteristischen Strauß kleiner, schirmförmiger Hüte bildet, die aus einem großen, schwarzen, unter der Erde verborgenen Sklerotium entspringen, meist an Buchenwurzeln. In Polen steht die Art unter Teilschutz und kommt selten vor — das gesamte kommerziell erhältliche Rohmaterial stammt aus Kultivierung oder Wildsammlung in China. Unter dem chinesischen Namen Zhu Ling ist er einer der ältesten Rohstoffe der chinesischen Medizin, bereits erwähnt im Shennong Bencao Jing (ca. 200 v. Chr.), wo er als 'feuchtigkeitstrocknendes' Kraut mit starker harntreibender Wirkung klassifiziert wird — er ist unter anderem ein zentraler Bestandteil der klassischen Rezeptur Wu Ling San (zusammen mit Poria/Fu Ling, dem Rhizom von Alisma und Atractylodes).
Moderne Studien zum Eichhasen stammen fast ausschließlich aus China und konzentrieren sich auf das isolierte Polysaccharid (PPS, Polyporus-Polysaccharid) — dort seit 1990 in Form zugelassener Arzneimittel (Kapseln und Injektionen) erhältlich, die als begleitende Therapie bei viraler Hepatitis B und bestimmten Krebsarten eingesetzt werden. Außerhalb Chinas existiert der Eichhase praktisch nicht als eigenständiges, standardisiertes Nahrungsergänzungsmittel im Stil von Reishi oder Igel-Stachelbart — er bleibt vor allem ein Kräuterrohstoff der TCM und Bestandteil mehrteiliger Rezepturen.
Realistisch betrachtet hilft der Eichhase heute fast niemandem, der ein eigenständiges Nahrungsergänzungsmittel sucht — er existiert außerhalb Chinas nicht als standardisiertes Produkt, es gibt also nichts zu kaufen und in kontrollierter Dosis einzunehmen. Eine sinnvolle Anwendung beschränkt sich auf Personen, die klassische TCM-Rezepturen (z. B. Wu Ling San) unter Betreuung eines Praktikers der chinesischen Medizin nutzen. Er ist jedoch keine Antwort auf Blasenkrebs oder Hepatitis B für jemanden, der Selbstbehandlung sucht — die Belege für diese Wirkungen stammen aus In-vitro-Studien und der in Polen nicht zugänglichen chinesischen ärztlichen Praxis.
Vorkommen
Ein seltener Pilz, der Sträuße kleiner, schirmförmiger Hüte bildet, die aus einem großen, schwarzen, unter der Erde verborgenen Sklerotium entspringen, meist an Buchenwurzeln. In Polen steht er unter Teilschutz und kommt selten vor; das gesamte kommerziell erhältliche Rohmaterial stammt aus Kultivierung oder Wildsammlung in China.
Geschichte der Anwendung
Einer der ältesten Rohstoffe der chinesischen Medizin — bereits erwähnt im Shennong Bencao Jing (ca. 200 v. Chr.) als 'feuchtigkeitstrocknendes' Kraut mit starker harntreibender Wirkung. Zentraler Bestandteil der klassischen Rezeptur Wu Ling San, angewendet zusammen mit Poria, dem Rhizom von Alisma und Atractylodes.
Wirkmechanismus
Die wichtigste untersuchte Verbindung ist PPS — ein Polysaccharid mit einem Beta-(1→3)-Glucan-Grundgerüst und Seitenketten aus Beta-(1→6)-Glucopyranose. In Studien an menschlichen Zelllinien und In-vitro-Modellen aktivierte PPS Makrophagen und programmierte sie in Richtung eines proinflammatorischen M1-Phänotyps um, was unter Laborbedingungen die Proliferation und Migration von Blasenkrebszellen hemmte. Die traditionelle harntreibende Wirkung wird hypothetisch mit einem Einfluss auf die Nierentubuli und die Regulation von Aquaporinen in Verbindung gebracht, hauptsächlich an Tieren untersucht. Leberschützende und antivirale Mechanismen (Hepatitis B) beruhen auf der Beobachtung des klinischen Effekts, nicht auf einem eindeutig identifizierten Wirkweg.
Abgesehen von der Makrophagenaktivierung und der Hypothese zu den Nierentubuli wurde in der Literatur bislang weder ein konkreter Rezeptor noch ein einzelner, führender Signalweg identifiziert, der für den harntreibenden oder leberschützenden Effekt verantwortlich ist — die in der In-vitro-Studie beschriebene Polarisierung der Makrophagen zum M1-Phänotyp geht typischerweise mit einer verstärkten Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine einher, dies wurde jedoch nicht direkt auf der Ebene konkreter Marker beim Menschen bestätigt.
Struktur von PPS
Polysaccharid mit einem Beta-(1→3)-Glucan-Grundgerüst und Seitenketten aus Beta-(1→6)-Glucopyranose, erkannt von Zellen der angeborenen Immunität.
Aktivierung von Makrophagen
In In-vitro-Studien programmierte PPS Makrophagen in Richtung eines proinflammatorischen M1-Phänotyps um.
Hemmung von Krebszellen (in vitro)
An menschlichen Blasenkrebs-Zelllinien wurde eine Hemmung von Proliferation und Migration beobachtet — ausschließlich unter Laborbedingungen.
Hypothetischer harntreibender Effekt
Die traditionelle diuretische Wirkung wird hypothetisch mit einem Einfluss auf die Nierentubuli in Verbindung gebracht, hauptsächlich an Tieren untersucht.
Evidenz: begrenzt — basierend auf 2 Studien in dieser Datenbank.
Vorteile
Häufige Mythen
MythosDer Eichhase (Zhu Ling) ist ein bewährtes, im Laden erhältliches 'Nahrungsergänzungsmittel gegen Blasenkrebs'.
FaktDie in China zugelassenen PPS-Arzneimittel sind Injektionen und Kapseln, die ausschließlich als begleitende Therapie unter onkologischer Aufsicht eingesetzt werden und außerhalb Chinas nicht erhältlich sind. Die Belege für die Hemmung von Blasenkrebszellen stammen aus In-vitro-Studien an Zelllinien.
Formen & Varianten
Eichhase (Zhu Ling) gibt es in mehreren Formen, die sich in Bioverfügbarkeit und Einsatzgebiet unterscheiden — die gewählte Form hat einen echten Einfluss auf die Wirksamkeit der Supplementierung.
Getrocknetes Sklerotium / Rohstoffscheiben
Die häufigste in Kräuterläden und chinesischen Apotheken erhältliche Form — Rohstoff zur Zubereitung einer Abkochung.
Am besten geeignet für: Personen, die Rezepturen der chinesischen Medizin nutzen, idealerweise unter Anleitung eines TCM-Praktikers
Bestandteil fertiger mehrteiliger Rezepturen (z. B. Wu Ling San)
Die im Westen am häufigsten anzutreffende Form — der Eichhase als eines von mehreren Kräutern, nicht als eigenständiges Produkt.
Am besten geeignet für: Personen, die klassische TCM-Rezepturen unter fachlicher Aufsicht anwenden
Praxis
Häufig gestellte Fragen
Fast ausschließlich Letzteres — im Westen ist er kein eigenständiges, standardisiertes Produkt, sondern ein TCM-Kräuterrohstoff oder Bestandteil fertiger Rezepturen.
In China sind Kapseln und Injektionen mit PPS ein zugelassenes Arzneimittel, das als begleitende Therapie eingesetzt wird. Das sind präklinische Daten und eine auf China begrenzte medizinische Praxis — das überträgt sich nicht auf ein in Polen erhältliches Nahrungsergänzungsmittel mit nachgewiesener Wirkung bei Patienten.
Dosierung & Einnahmezeit
Typische Dosis
In TCM-Rezepturen üblicherweise 6–15 g getrocknetes Sklerotium täglich als Abkochung, immer als Teil einer mehrteiligen Rezeptur (z. B. Wu Ling San)
Form
Getrocknetes, geschnittenes Sklerotium als TCM-Kräuterrohstoff oder Pulver daraus; Kapseln und Injektionen mit PPS sind in China zugelassene Arzneimittel, in Polen und der EU nicht als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich
Die Dosierungsangaben dienen der Information und spiegeln die in den zitierten Studien verwendeten Bereiche wider — sie ersetzen keine Beratung durch Arzt oder Apotheker.
Beste Einnahmezeiten
- In der chinesischen Medizin meist als Abkochung, als Bestandteil einer konkreten Rezeptur (z. B. Wu Ling San)
Womit kombinieren
Gute Kombinationen
Poria (Fu Ling) — Klassische Kombination in der traditionellen chinesischen Rezeptur Wu Ling San — keine modernen klinischen Studien zur Kombination selbst
Sicherheit
Nebenwirkungen & Kontraindikationen
Mögliche Nebenwirkungen
In der jahrhundertelangen traditionellen Anwendung als Kräuterrohstoff allgemein als gut verträglich angesehen
In China wurden bei Anwendung von PPS-Injektionen (in Deutschland nicht erhältliche Arzneimittelform) seltene Gelenk-/Schmerzreaktionen beschrieben
Verstärkter Harndrang, entsprechend der traditionellen harntreibenden Wirkung
Kontraindikationen
Schwangerschaft und Stillzeit — unzureichende Sicherheitsdaten zum isolierten Rohstoff
Zustände, die eine strikte Kontrolle von Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt erfordern, wegen der harntreibenden Wirkung
In Polen teilweise geschützte Art — wild wachsende Exemplare dürfen nicht eigenständig entnommen werden
Wechselwirkungen
Diuretika — mögliche Verstärkung der entwässernden Wirkung und von Elektrolytstörungen
Immunsuppressiva — theoretische Wechselwirkung aufgrund der immunmodulierenden Wirkung der Polysaccharide
Lohnt es sich?
Für wen geeignet
- Traditionell in der chinesischen Medizin als eines der stärksten pflanzlichen harntreibenden Mittel eingesetzt — der Effekt wurde vor allem an Tiermodellen bestätigt
- In China zugelassene Arzneimittel auf PPS-Basis, seit 1990 als begleitende Therapie bei Hepatitis B eingesetzt — eine Übersicht über mehr als 11.000 chinesische klinische Fälle deutete auf einen günstigen Effekt hin, besonders in Kombination mit der antiviralen Standardtherapie
- In-vitro-Studien an menschlichen Blasenkrebs-Zelllinien zeigten, dass das homogene Polyporus-Polysaccharid deren Proliferation und Migration hemmte — eine frühe Stufe präklinischer Evidenz, keine klinische Studie an Patienten
Nicht geeignet für
- Schwangerschaft und Stillzeit — unzureichende Sicherheitsdaten zum isolierten Rohstoff
- Zustände, die eine strikte Kontrolle von Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt erfordern, wegen der harntreibenden Wirkung
- In Polen teilweise geschützte Art — wild wachsende Exemplare dürfen nicht eigenständig entnommen werden
Evidenz
Wissenswertes
Das Sklerotium, nicht der Fruchtkörper, ist der in der TCM hauptsächlich gesammelte Rohstoff.
PPS ist in China seit 1990 ein zugelassenes pharmazeutisches Arzneimittel — ein seltener Fall eines Funktionspilzes, der formal in einem Land ein Arzneimittel ist und im Westen praktisch als Konsumprodukt nicht existiert.
Studien
Homogeneous polyporus polysaccharide inhibits bladder cancer by polarizing macrophages to M1 subtype in tumor microenvironment
ForschungshypotheseJia W, Luo S, Lai G, Li S, Huo S, Li M, Zeng X · BMC Complementary Medicine and Therapies · 2021
Eine In-vitro-Studie an menschlichen Zelllinien zeigte, dass das homogene Polyporus-Polysaccharid Makrophagen in Richtung des M1-Phänotyps umprogrammierte und dadurch Proliferation und Migration von Blasenkrebszellen hemmte.
Studie ansehenThe efficacy of Polyporus Umbellatus polysaccharide in treating hepatitis B in China
Vorläufige EvidenzGuo Z, Zang Y, Zhang L · Progress in Molecular Biology and Translational Science · 2019
Eine systematische Übersicht über mehr als 11.700 chinesische klinische Fälle deutete auf eine Wirksamkeit von PPS bei der Behandlung von Hepatitis B hin, vor allem in Kombination mit Impfstoff oder antiviralen Medikamenten.
Studie ansehenQuellen & Literaturverzeichnis
Die Zitate sind für diese Demoversion beispielhaft und erfordern vor der produktiven Veröffentlichung eine vollständige bibliografische Prüfung durch die Redaktion.
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Über die Autoren dieses Eintrags
Autor
Michał NowakKlinischer Ernährungsberater
Michał ist spezialisiert auf metabolische Ernährung, intermittierendes Fasten und Sportsupplementierung.
61 Veröffentlichungen auf dieser Seite
Fachliche Prüfung
dr Piotr ZielińskiEndokrinologe
Piotr prüft Inhalte zu Hormonen, metabolischer Gesundheit und der Pharmakologie von Nahrungsergänzungsmitteln.
131 Veröffentlichungen auf dieser Seite
Verwandte Einträge
3.8Poria (Fu Ling)
Ein Sklerotium-Pilz, der seit Jahrhunderten in Rezepturen der chinesischen Medizin als Fu Ling präsent ist — als eigenständiges Nahrungsergänzungsmittel gibt es jedoch nur sehr bescheidene, indirekte klinische Daten am Menschen.
4.1Maitake (Klapperschwamm)
Ein auch als 'Hen of the Woods' bekannter Funktionspilz, der vor allem im Hinblick auf die Immunmodulation (D-Fraktion) in der Onkologie sowie vorläufig auf den Kohlenhydratstoffwechsel untersucht wird — die Evidenz bei gesunden Menschen bleibt begrenzt.
4.5Schmetterlingstramete (Turkey Tail)
Ein Pilz, der PSK und PSP liefert — die einzigen Pilzpolysaccharide, die in Japan als begleitendes Chemotherapie-Medikament zugelassen sind. Eine der solidesten klinischen Evidenzbasen unter den Funktionspilzen, aber KEINE eigenständige Krebstherapie.
4.3Shiitake (Lentinula edodes)
Ein kulinarisch-funktioneller Pilz reich an Lentinan und Beta-Glucanen, klinisch auf seine Wirkung auf die Immunmodulation und das Lipidprofil untersucht — einer der am besten erforschten Funktionspilze auf dem Markt.
4.3Austernseitling (Oyster Mushroom, Pleurotus ostreatus)
Einer der beliebtesten Speisepilze in Polen, der eine natürliche, strukturell mit Lovastatin verwandte Verbindung enthält — vor allem hinsichtlich seiner Wirkung auf das Lipidprofil und die Immunfunktion untersucht.
4.2Glänzender Lackporling (Reishi)
Ein Funktionspilz mit über 2000-jähriger Geschichte in der chinesischen und japanischen Medizin, der auf seine immunmodulierende Wirkung untersucht wird — die klinische Evidenz beim Menschen bleibt jedoch bescheiden und teils widersprüchlich.
4.1Mandel-Egerling (Agaricus blazei)
Ein Pilz aus brasilianischen Wäldern, untersucht vor allem hinsichtlich Immunmodulation und Unterstützung des Zuckerstoffwechsels — die Belege beim Menschen sind uneindeutig und vorläufig, trotz großer Beliebtheit als Nahrungsergänzungsmittel.
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Kommentare (2)
- KW
Kasia W. vor 2 Wochen
Sehr übersichtlich beschrieben, besonders der Abschnitt zu den Wechselwirkungen — das hatte ich so an keiner anderen Stelle gesehen.
- MT
Marek T. vor einem Monat
Plant ihr ein Update mit der neuesten Studie aus diesem Jahr? Ich habe eine interessante Metaanalyse gesehen.
