Kreatinin und eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate)
Kreatinin allein sagt überraschend wenig über die Nierenfunktion aus — erst die Umrechnung in eGFR mittels der CKD-EPI-Formel zeigt, wie viel Filtrationsleistung tatsächlich noch vorhanden ist.
Anzahl der Studien
2
Sicherheit
Vorsicht geboten
Wirkungseintritt
Nicht zutreffend — die Bestimmung von Kreatinin und eGFR ist eine diagnostische Untersuchung, keine Intervention.
Für wen geeignet
Inhaltsverzeichnis
Kurz gesagt
Kreatinin allein sagt überraschend wenig über die Nierenfunktion aus — erst die Umrechnung in eGFR mittels der CKD-EPI-Formel zeigt, wie viel Filtrationsleistung tatsächlich noch vorhanden ist.
- →Erkennt eine eingeschränkte Nierenfunktion frühzeitig im symptomlosen Stadium, wenn eine Intervention am wirksamsten ist
- →Die eGFR ermöglicht die Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung und die Dosisanpassung nierengängiger Medikamente
- →Regelmäßige Überwachung unterscheidet eine stabile, chronische Nierenfunktion von einer akuten Verschlechterung, die eine dringende Diagnostik erfordert
| Untersuchungstyp | Bluttest — Kreatininwert mit Umrechnung in eGFR mittels CKD-EPI-Formel |
|---|---|
| Evidenzgrad | Stark — die CKD-EPI-Formel ist der empfohlene Standard zur Schätzung der glomerulären Filtration |
| Zielgruppe | Jeder Erwachsene zur Vorsorge, insbesondere mit Diabetes, Bluthochdruck oder unter nephrotoxischen Medikamenten |
| Schlüsselparameter | Serumkreatinin, eGFR (ml/min/1,73m²), Stadium der chronischen Nierenerkrankung nach KDIGO (G1–G5) |
| Vorbereitung | Meist keine Nüchternheit erforderlich; intensive Belastung und ein üppiges fleischhaltiges Essen am Vortag sollten vermieden werden |
| Status | Standardmäßiger Screening- und Verlaufstest der Nierenfunktion |
Verstehen
Überblick
Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskel-Phosphokreatins, das hauptsächlich über die Nieren durch glomeruläre Filtration ausgeschieden wird. Sein Blutspiegel hängt nicht nur von der Nierenfunktion ab, sondern auch von Muskelmasse, Alter, Geschlecht und Ernährung, weshalb ein isolierter Kreatininwert irreführend sein kann — eine Person mit geringer Muskelmasse kann trotz deutlich eingeschränkter Nierenfunktion einen scheinbar normalen Kreatininwert aufweisen.
Die eGFR (estimated Glomerular Filtration Rate, geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) rechnet Kreatininwert, Alter und Geschlecht mithilfe der von der Chronic Kidney Disease Epidemiology Collaboration entwickelten CKD-EPI-Formel in eine geschätzte Filtrationsrate in Millilitern pro Minute pro 1,73 Quadratmeter Körperoberfläche um. Die eGFR, nicht das Kreatinin allein, bildet die Grundlage für die Einteilung der chronischen Nierenerkrankung in die Stadien G1 bis G5 gemäß den KDIGO-Leitlinien (Kidney Disease: Improving Global Outcomes).
Wem kann das wirklich helfen? Jedem Erwachsenen im Rahmen der routinemäßigen Vorsorge, insbesondere Personen mit Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht oder familiärer Vorbelastung für Nierenerkrankungen, sowie Patienten unter nephrotoxischen Medikamenten oder Arzneimitteln, die hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden werden und eine Dosisanpassung erfordern. Ein einzelner auffälliger eGFR-Wert muss in der Regel durch eine Wiederholungsmessung nach mindestens drei Monaten bestätigt werden, um eine chronische Nierenfunktionseinschränkung von einer vorübergehenden, akuten Schädigung zu unterscheiden.
Wirkmechanismus
Kreatinin entsteht durch den spontanen, nichtenzymatischen Abbau von Phosphokreatin in der Skelettmuskulatur in einer Rate, die annähernd proportional zur Gesamtmuskelmasse ist, und wird anschließend hauptsächlich durch glomeruläre Filtration aus dem Blut entfernt, mit einem geringen zusätzlichen Beitrag der aktiven tubulären Sekretion. Das bedeutet, dass sein Blutspiegel sowohl bei einem tatsächlichen Rückgang der glomerulären Filtration als auch bei zunehmender Muskelmasse unabhängig vom Nierenzustand ansteigt — deshalb ist die Interpretation des Kreatinins allein, ohne Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Körperbau der jeweiligen Person, wenig zuverlässig.
Die CKD-EPI-Formel korrigiert den Kreatininwert um Alter und Geschlecht, um die tatsächliche glomeruläre Filtration zu schätzen — eine Validierungsstudie mit knapp 4000 Teilnehmern zeigte, dass sie genauer ist als die zuvor weit verbreitete MDRD-Formel, insbesondere bei höheren Filtrationswerten. Da der Zusammenhang zwischen Kreatininspiegel und eGFR nicht linear, sondern umgekehrt und kurvenförmig verläuft, entspricht selbst ein geringer, scheinbar unbedeutender Anstieg des Kreatinins bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion einem deutlich größeren, proportional stärkeren Abfall der eGFR.
Kreatininbildung in der Muskulatur
Der spontane Abbau von Phosphokreatin in der Skelettmuskulatur erzeugt Kreatinin in einer Rate, die annähernd proportional zur Muskelmasse ist.
Glomeruläre Filtration und geringe tubuläre Sekretion
Kreatinin wird hauptsächlich durch glomeruläre Filtration entfernt, mit einem geringen Anteil tubulärer Sekretion, die die eGFR bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz überschätzen kann.
Umrechnung in eGFR mittels CKD-EPI-Formel
Der Kreatininwert wird um Alter und Geschlecht korrigiert, um eine geschätzte glomeruläre Filtration zu erhalten und ein Stadium der chronischen Nierenerkrankung nach der KDIGO-Klassifikation zuzuordnen.
Evidenz: stark — basierend auf 2 Studien in dieser Datenbank.
Vorteile
Häufige Mythen
MythosEin normaler Kreatininwert bedeutet immer gesunde Nieren.
FaktKreatinin kann trotz erheblichen Verlusts der Nierenfunktion im Referenzbereich bleiben, etwa bei älteren oder ausgezehrten Personen mit geringer Muskelmasse — entscheidend ist die umgerechnete eGFR, nicht der Kreatininwert allein.
MythosEin auffälliger eGFR-Wert bedeutet immer eine chronische Nierenerkrankung.
FaktDie Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung erfordert die Bestätigung einer verringerten eGFR oder anderer Auffälligkeiten in einer nach mindestens drei Monaten wiederholten Untersuchung — ein einzelner Wert kann eine vorübergehende, akute Verschlechterung widerspiegeln.
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Praxis
Häufig gestellte Fragen
Das ist nicht erforderlich, allerdings wird empfohlen, unmittelbar vor der Blutentnahme eine sehr üppige fleischhaltige Mahlzeit und intensive körperliche Belastung zu vermeiden, da diese das Ergebnis vorübergehend erhöhen können.
Die eGFR ist ein geschätzter Wert, der auf einer mathematischen Formel unter Berücksichtigung von Kreatinin, Alter und Geschlecht basiert, während die Kreatinin-Clearance eine direkte Messung ist, die eine 24-Stunden-Urinsammlung erfordert — in der klinischen Praxis genügt die eGFR in den allermeisten Fällen.
Eine eGFR unter 15 ml/min/1,73m² entspricht dem Stadium G5, also der terminalen Niereninsuffizienz, nach der KDIGO-Klassifikation, aber bereits Werte unter 60 ml/min/1,73m², die länger als drei Monate anhalten, gelten als chronische Nierenerkrankung, die weiterer Betreuung bedarf.
Womit kombinieren
Gute Kombinationen
Elektrolyte: Natrium, Kalium und Chlorid — Eine Verschlechterung der Nierenfunktion geht häufig mit Elektrolytstörungen einher, insbesondere erhöhtem Kalium — beide Werte sollten gemeinsam interpretiert werden
Bluthochdruck — Bluthochdruck ist sowohl Ursache als auch Folge einer chronischen Nierenerkrankung, weshalb beide Parameter parallel überwacht werden sollten
Sicherheit
Nebenwirkungen & Kontraindikationen
Mögliche Nebenwirkungen
Kontraindikationen
Keine bedeutenden Kontraindikationen bei typischer Anwendung.
Wechselwirkungen
Eine eiweißreiche Mahlzeit, insbesondere rotes Fleisch, vor der Untersuchung kann den Kreatininwert vorübergehend erhöhen
Intensive körperliche Belastung und Dehydrierung können Kreatinin unabhängig von der tatsächlichen Nierenfunktion fälschlich erhöhen
Bestimmte Medikamente, z. B. Trimethoprim oder Cimetidin, blockieren die tubuläre Kreatininsekretion und erhöhen dessen Spiegel ohne tatsächlichen Rückgang der glomerulären Filtration
Eine sehr geringe oder sehr hohe Muskelmasse, z. B. bei Sarkopenie oder intensivem Krafttraining, verfälscht die Interpretation des Kreatinins allein ohne Bezug zur eGFR
Lohnt es sich?
Für wen geeignet
- Jeder Erwachsene im Rahmen der routinemäßigen Vorsorge, insbesondere ab dem 40. Lebensjahr
- Personen mit Diabetes, Bluthochdruck oder unter nephrotoxischen Medikamenten
Nicht geeignet für
- Keine bedeutenden Kontraindikationen bei typischer Anwendung.
Evidenz
Wissenswertes
Eine eGFR unter 60 ml/min/1,73m², die länger als drei Monate anhält, ist eines der Kriterien für die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung gemäß den KDIGO-Leitlinien.
Der Zusammenhang zwischen Kreatinin und eGFR ist umgekehrt und nichtlinear — bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion entspricht selbst ein geringer Kreatininanstieg einem deutlichen Abfall der Filtration.
Studien
Die CKD-EPI-Formel erwies sich als genauer als die zuvor verwendete MDRD-Formel, insbesondere bei höheren Werten der glomerulären Filtration, und könnte diese in der routinemäßigen klinischen Praxis ersetzen.
Levey AS, Stevens LA, Schmid CH, et al. (CKD-EPI), Annals of Internal Medicine, 2009
A New Equation to Estimate Glomerular Filtration Rate
Starke EvidenzLevey AS, Stevens LA, Schmid CH, et al. · Annals of Internal Medicine · 2009
Eine Validierungsstudie der CKD-EPI-Formel mit knapp 4000 Teilnehmern, die eine höhere Genauigkeit im Vergleich zur älteren MDRD-Formel zeigte, insbesondere bei höheren Werten der glomerulären Filtration.
Studie ansehenEvaluation and management of chronic kidney disease: synopsis of the Kidney Disease: Improving Global Outcomes 2012 clinical practice guideline
Starke EvidenzStevens PE, Levin A, for the KDIGO CKD Guideline Development Work Group Members · Annals of Internal Medicine · 2013
Eine Zusammenfassung der KDIGO-Leitlinie, die die Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung anhand der eGFR sowie die Grundsätze der Überwachung und weiterführenden Diagnostik definiert.
Studie ansehenQuellen & Literaturverzeichnis
- Levey et al. 2009 — Annals of Internal Medicine
- Stevens, Levin 2013 — KDIGO Synopsis, Annals of Internal Medicine
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