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Kreatinin und eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate)

Kreatinin allein sagt überraschend wenig über die Nierenfunktion aus — erst die Umrechnung in eGFR mittels der CKD-EPI-Formel zeigt, wie viel Filtrationsleistung tatsächlich noch vorhanden ist.

PZdr Piotr ZielińskiGeprüft von dr Katarzyna LewandowskaAktualisiert: 23. September 2026
Starke Evidenz
4.7

Anzahl der Studien

2

Sicherheit

Vorsicht geboten

Wirkungseintritt

Nicht zutreffend — die Bestimmung von Kreatinin und eGFR ist eine diagnostische Untersuchung, keine Intervention.

Für wen geeignet

Jeder Erwachsene im Rahmen der routinemäßigen Vorsorge, insbesondere ab dem 40. LebensjahrPersonen mit Diabetes, Bluthochdruck oder unter nephrotoxischen Medikamenten
Inhaltsverzeichnis

Kurz gesagt

Kreatinin allein sagt überraschend wenig über die Nierenfunktion aus — erst die Umrechnung in eGFR mittels der CKD-EPI-Formel zeigt, wie viel Filtrationsleistung tatsächlich noch vorhanden ist.

  • Erkennt eine eingeschränkte Nierenfunktion frühzeitig im symptomlosen Stadium, wenn eine Intervention am wirksamsten ist
  • Die eGFR ermöglicht die Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung und die Dosisanpassung nierengängiger Medikamente
  • Regelmäßige Überwachung unterscheidet eine stabile, chronische Nierenfunktion von einer akuten Verschlechterung, die eine dringende Diagnostik erfordert
UntersuchungstypBluttest — Kreatininwert mit Umrechnung in eGFR mittels CKD-EPI-Formel
EvidenzgradStark — die CKD-EPI-Formel ist der empfohlene Standard zur Schätzung der glomerulären Filtration
ZielgruppeJeder Erwachsene zur Vorsorge, insbesondere mit Diabetes, Bluthochdruck oder unter nephrotoxischen Medikamenten
SchlüsselparameterSerumkreatinin, eGFR (ml/min/1,73m²), Stadium der chronischen Nierenerkrankung nach KDIGO (G1–G5)
VorbereitungMeist keine Nüchternheit erforderlich; intensive Belastung und ein üppiges fleischhaltiges Essen am Vortag sollten vermieden werden
StatusStandardmäßiger Screening- und Verlaufstest der Nierenfunktion

Verstehen

Überblick

Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskel-Phosphokreatins, das hauptsächlich über die Nieren durch glomeruläre Filtration ausgeschieden wird. Sein Blutspiegel hängt nicht nur von der Nierenfunktion ab, sondern auch von Muskelmasse, Alter, Geschlecht und Ernährung, weshalb ein isolierter Kreatininwert irreführend sein kann — eine Person mit geringer Muskelmasse kann trotz deutlich eingeschränkter Nierenfunktion einen scheinbar normalen Kreatininwert aufweisen.

Die eGFR (estimated Glomerular Filtration Rate, geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) rechnet Kreatininwert, Alter und Geschlecht mithilfe der von der Chronic Kidney Disease Epidemiology Collaboration entwickelten CKD-EPI-Formel in eine geschätzte Filtrationsrate in Millilitern pro Minute pro 1,73 Quadratmeter Körperoberfläche um. Die eGFR, nicht das Kreatinin allein, bildet die Grundlage für die Einteilung der chronischen Nierenerkrankung in die Stadien G1 bis G5 gemäß den KDIGO-Leitlinien (Kidney Disease: Improving Global Outcomes).

Wem kann das wirklich helfen? Jedem Erwachsenen im Rahmen der routinemäßigen Vorsorge, insbesondere Personen mit Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht oder familiärer Vorbelastung für Nierenerkrankungen, sowie Patienten unter nephrotoxischen Medikamenten oder Arzneimitteln, die hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden werden und eine Dosisanpassung erfordern. Ein einzelner auffälliger eGFR-Wert muss in der Regel durch eine Wiederholungsmessung nach mindestens drei Monaten bestätigt werden, um eine chronische Nierenfunktionseinschränkung von einer vorübergehenden, akuten Schädigung zu unterscheiden.

Wirkmechanismus

Kreatinin entsteht durch den spontanen, nichtenzymatischen Abbau von Phosphokreatin in der Skelettmuskulatur in einer Rate, die annähernd proportional zur Gesamtmuskelmasse ist, und wird anschließend hauptsächlich durch glomeruläre Filtration aus dem Blut entfernt, mit einem geringen zusätzlichen Beitrag der aktiven tubulären Sekretion. Das bedeutet, dass sein Blutspiegel sowohl bei einem tatsächlichen Rückgang der glomerulären Filtration als auch bei zunehmender Muskelmasse unabhängig vom Nierenzustand ansteigt — deshalb ist die Interpretation des Kreatinins allein, ohne Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Körperbau der jeweiligen Person, wenig zuverlässig.

Die CKD-EPI-Formel korrigiert den Kreatininwert um Alter und Geschlecht, um die tatsächliche glomeruläre Filtration zu schätzen — eine Validierungsstudie mit knapp 4000 Teilnehmern zeigte, dass sie genauer ist als die zuvor weit verbreitete MDRD-Formel, insbesondere bei höheren Filtrationswerten. Da der Zusammenhang zwischen Kreatininspiegel und eGFR nicht linear, sondern umgekehrt und kurvenförmig verläuft, entspricht selbst ein geringer, scheinbar unbedeutender Anstieg des Kreatinins bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion einem deutlich größeren, proportional stärkeren Abfall der eGFR.

1

Kreatininbildung in der Muskulatur

Der spontane Abbau von Phosphokreatin in der Skelettmuskulatur erzeugt Kreatinin in einer Rate, die annähernd proportional zur Muskelmasse ist.

2

Glomeruläre Filtration und geringe tubuläre Sekretion

Kreatinin wird hauptsächlich durch glomeruläre Filtration entfernt, mit einem geringen Anteil tubulärer Sekretion, die die eGFR bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz überschätzen kann.

3

Umrechnung in eGFR mittels CKD-EPI-Formel

Der Kreatininwert wird um Alter und Geschlecht korrigiert, um eine geschätzte glomeruläre Filtration zu erhalten und ein Stadium der chronischen Nierenerkrankung nach der KDIGO-Klassifikation zuzuordnen.

Evidenz: stark — basierend auf 2 Studien in dieser Datenbank.

Vorteile

Erkennt eine eingeschränkte Nierenfunktion frühzeitig im symptomlosen Stadium, wenn eine Intervention am wirksamsten ist
Die eGFR ermöglicht die Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung und die Dosisanpassung nierengängiger Medikamente
Regelmäßige Überwachung unterscheidet eine stabile, chronische Nierenfunktion von einer akuten Verschlechterung, die eine dringende Diagnostik erfordert

Häufige Mythen

MythosEin normaler Kreatininwert bedeutet immer gesunde Nieren.

FaktKreatinin kann trotz erheblichen Verlusts der Nierenfunktion im Referenzbereich bleiben, etwa bei älteren oder ausgezehrten Personen mit geringer Muskelmasse — entscheidend ist die umgerechnete eGFR, nicht der Kreatininwert allein.

MythosEin auffälliger eGFR-Wert bedeutet immer eine chronische Nierenerkrankung.

FaktDie Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung erfordert die Bestätigung einer verringerten eGFR oder anderer Auffälligkeiten in einer nach mindestens drei Monaten wiederholten Untersuchung — ein einzelner Wert kann eine vorübergehende, akute Verschlechterung widerspiegeln.

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Dauert etwa 2 MinutenBasierend auf wissenschaftlicher Evidenz

Die Empfehlungen berücksichtigen deine Antworten sowie die Stärke der wissenschaftlichen Evidenz. Die Beliebtheit eines Supplements hat keinen Einfluss auf seine Empfehlung.

Praxis

Häufig gestellte Fragen

Das ist nicht erforderlich, allerdings wird empfohlen, unmittelbar vor der Blutentnahme eine sehr üppige fleischhaltige Mahlzeit und intensive körperliche Belastung zu vermeiden, da diese das Ergebnis vorübergehend erhöhen können.

Die eGFR ist ein geschätzter Wert, der auf einer mathematischen Formel unter Berücksichtigung von Kreatinin, Alter und Geschlecht basiert, während die Kreatinin-Clearance eine direkte Messung ist, die eine 24-Stunden-Urinsammlung erfordert — in der klinischen Praxis genügt die eGFR in den allermeisten Fällen.

Eine eGFR unter 15 ml/min/1,73m² entspricht dem Stadium G5, also der terminalen Niereninsuffizienz, nach der KDIGO-Klassifikation, aber bereits Werte unter 60 ml/min/1,73m², die länger als drei Monate anhalten, gelten als chronische Nierenerkrankung, die weiterer Betreuung bedarf.

Womit kombinieren

Gute Kombinationen

Elektrolyte: Natrium, Kalium und ChloridEine Verschlechterung der Nierenfunktion geht häufig mit Elektrolytstörungen einher, insbesondere erhöhtem Kalium — beide Werte sollten gemeinsam interpretiert werden

BluthochdruckBluthochdruck ist sowohl Ursache als auch Folge einer chronischen Nierenerkrankung, weshalb beide Parameter parallel überwacht werden sollten

Sicherheit

Nebenwirkungen & Kontraindikationen

Mögliche Nebenwirkungen

Kontraindikationen

Keine bedeutenden Kontraindikationen bei typischer Anwendung.

Wechselwirkungen

Eine eiweißreiche Mahlzeit, insbesondere rotes Fleisch, vor der Untersuchung kann den Kreatininwert vorübergehend erhöhen

Intensive körperliche Belastung und Dehydrierung können Kreatinin unabhängig von der tatsächlichen Nierenfunktion fälschlich erhöhen

Bestimmte Medikamente, z. B. Trimethoprim oder Cimetidin, blockieren die tubuläre Kreatininsekretion und erhöhen dessen Spiegel ohne tatsächlichen Rückgang der glomerulären Filtration

Eine sehr geringe oder sehr hohe Muskelmasse, z. B. bei Sarkopenie oder intensivem Krafttraining, verfälscht die Interpretation des Kreatinins allein ohne Bezug zur eGFR

Lohnt es sich?

Für wen geeignet

  • Jeder Erwachsene im Rahmen der routinemäßigen Vorsorge, insbesondere ab dem 40. Lebensjahr
  • Personen mit Diabetes, Bluthochdruck oder unter nephrotoxischen Medikamenten

Nicht geeignet für

  • Keine bedeutenden Kontraindikationen bei typischer Anwendung.

Evidenz

Wissenswertes

Eine eGFR unter 60 ml/min/1,73m², die länger als drei Monate anhält, ist eines der Kriterien für die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung gemäß den KDIGO-Leitlinien.

Der Zusammenhang zwischen Kreatinin und eGFR ist umgekehrt und nichtlinear — bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion entspricht selbst ein geringer Kreatininanstieg einem deutlichen Abfall der Filtration.

Studien

Die CKD-EPI-Formel erwies sich als genauer als die zuvor verwendete MDRD-Formel, insbesondere bei höheren Werten der glomerulären Filtration, und könnte diese in der routinemäßigen klinischen Praxis ersetzen.

Levey AS, Stevens LA, Schmid CH, et al. (CKD-EPI), Annals of Internal Medicine, 2009

A New Equation to Estimate Glomerular Filtration Rate

Starke Evidenz

Levey AS, Stevens LA, Schmid CH, et al. · Annals of Internal Medicine · 2009

Eine Validierungsstudie der CKD-EPI-Formel mit knapp 4000 Teilnehmern, die eine höhere Genauigkeit im Vergleich zur älteren MDRD-Formel zeigte, insbesondere bei höheren Werten der glomerulären Filtration.

Studie ansehen

Evaluation and management of chronic kidney disease: synopsis of the Kidney Disease: Improving Global Outcomes 2012 clinical practice guideline

Starke Evidenz

Stevens PE, Levin A, for the KDIGO CKD Guideline Development Work Group Members · Annals of Internal Medicine · 2013

Eine Zusammenfassung der KDIGO-Leitlinie, die die Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung anhand der eGFR sowie die Grundsätze der Überwachung und weiterführenden Diagnostik definiert.

Studie ansehen

Quellen & Literaturverzeichnis

Die Zitate sind für diese Demoversion beispielhaft und erfordern vor der produktiven Veröffentlichung eine vollständige bibliografische Prüfung durch die Redaktion.

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Über die Autoren dieses Eintrags

PZ

Autor

dr Piotr Zieliński

Endokrinologe

Piotr praktiziert seit über fünfzehn Jahren Endokrinologie, vor allem im Bereich männlicher Hormonstörungen und Stoffwechselgesundheit. Zu VitMode kam er als wissenschaftlicher Berater, weil er — wie er scherzt — es leid war, bei jedem Termin dieselben Fragen zu Testosteron zu beantworten, und beschloss, die Antworten einmal ordentlich aufzuschreiben. Er begutachtet Inhalte zu Hormontherapie, Supplement-Pharmakologie und Wechselwirkungen und achtet darauf, dass Artikel nie zur Ermutigung zur Selbstsupplementierung werden, wo eigentlich Diagnostik und ärztliche Aufsicht nötig sind. Sein berufliches Motto — „erst der Beweis, dann die Begeisterung" — hat er schon mehr als einem Patienten mitgegeben, der mit einem im Internet gefundenen Supplement-Plan zu ihm kam.

199 Veröffentlichungen auf dieser Seite

KL

Fachliche Prüfung

dr Katarzyna Lewandowska

Kardiologin

Katarzyna arbeitet als Kardiologin an einem Warschauer Universitätsklinikum und beschäftigt sich seit Jahren mit kardiovaskulärer Prävention — sie versucht, wie sie sagt, Menschen zur Verhaltensänderung zu bewegen, bevor sie auf ihrer Station landen, nicht danach. Zu VitMode stieß sie nach mehreren Gesprächen mit Anna auf einer Konferenz zur Lifestyle-Medizin, wo beide dieselbe Frustration entdeckten: ein Internet voller widersprüchlicher Aussagen zu Cholesterin, Aspirin und Herz-Supplementen, ohne klares Signal, was tatsächlich durch Forschung gestützt wird. Sie begutachtet Inhalte zu Herz-Kreislauf-Gesundheit, Lipidprofilen und medikamentöser Prävention und unterscheidet dabei konsequent, was einer statistischen Population hilft und was für eine bestimmte Person sinnvoll ist. In ihrer Freizeit fährt sie Rennrad — nicht für die Leistung, sondern weil man, wie sie sagt, schwer glaubwürdig über Prävention schreiben kann, ohne sie selbst zu praktizieren.

20 Veröffentlichungen auf dieser Seite

Veröffentlicht: 23. September 2026Aktualisiert: 23. September 2026

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Kommentare (2)

  • KW

    Kasia W. vor 2 Wochen

    Sehr übersichtlich beschrieben, besonders der Abschnitt zu den Wechselwirkungen — das hatte ich so an keiner anderen Stelle gesehen.

  • MT

    Marek T. vor einem Monat

    Plant ihr ein Update mit der neuesten Studie aus diesem Jahr? Ich habe eine interessante Metaanalyse gesehen.