TRT und Blutdruck – kann die Testosterontherapie ihn erhöhen?
Testosterontherapie erhöht bei einem Teil der Männer den Blutdruck messbar — der Effekt ist meist bescheiden, aber real und am stärksten mit einem Anstieg des Hämatokrits verbunden. Das ist kein Grund, TRT zu meiden, aber ein Parameter, der in die routinemäßige Überwachung neben Blutbild, Lipidprofil und PSA gehört.
PZdr Piotr Zieliński15. August 202611 Min. Lesezeit
Eine Frage, die man vorher stellen sollte, nicht nachher
Wenn Männer über Nebenwirkungen der Testosteronersatztherapie lesen, konzentriert sich die Aufmerksamkeit meist auf Hämatokrit, PSA, Fruchtbarkeit oder Akne. Der Blutdruck landet seltener ganz oben auf der Liste — schade, denn das ist einer der wenigen Parameter, der in randomisierten Studien tatsächlich die mit Testosteron behandelte Gruppe von der Placebogruppe unterscheidet, und zwar auf eine Weise, die sich mit einem gewöhnlichen Blutdruckmessgerät in der Praxis messen lässt, ohne auf Laborergebnisse warten zu müssen.
Die Antwort auf die Titelfrage ist jedoch kein einfaches „Ja“ oder „Nein“. Die Literatur zu TRT und Blutdruck ist gemischt — ein Teil der Studien zeigt einen kleinen, aber statistisch signifikanten Anstieg, andere zeigen keinen Unterschied zu Placebo, und wieder andere deuten darauf hin, dass sich der Effekt vor allem bei Männern zeigt, bei denen die Therapie den Hämatokrit deutlich erhöht hat. Dieser Artikel ordnet dieses Bild: was konkret bekannt ist, welcher Mechanismus es erklären kann, wen es am stärksten betrifft und wie man den Blutdruck während der Therapie vernünftig überwacht, ohne ihn weder als Grund zur Panik noch als übergehbares Thema zu behandeln.
Kurz zusammengefasst
Der Effekt von TRT auf den Blutdruck ist meist moderat und bei vielen Männern klinisch nicht messbar. Er hängt am stärksten mit dem Anstieg von Hämatokrit und Blutviskosität zusammen, in geringerem Maße mit Natrium- und Flüssigkeitsretention. Das ist ein Argument für regelmäßige Blutdruckmessung während der Therapie, nicht für ihren Verzicht.
Was Studien zeigen — ein uneinheitliches, aber nicht zufälliges Bild
Große Metaanalysen randomisierter, placebokontrollierter Studien, die die allgemeine Herz-Kreislauf-Sicherheit von TRT bewerten, finden meist keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, Tod durch Herz-Kreislauf-Ursachen) zwischen behandelter und Placebogruppe — ein gut dokumentiertes, beruhigendes Ergebnis, bestätigt unter anderem in der TRAVERSE-Studie, der bisher größten randomisierten Studie zur Herz-Kreislauf-Sicherheit von Testosteron bei Männern mit Hypogonadismus und erhöhtem kardiologischem Risiko. Der Blutdruck als einzelner, isolierter Parameter ist jedoch eine etwas andere Geschichte — hier gehen die Ergebnisse einzelner Studien je nach Population, Verabreichungsform, Beobachtungsdauer und Blutdruckmessmethode auseinander (einmalige Praxismessung versus ambulantes 24-Stunden-Blutdruckmonitoring, ABPM).
Ein Teil der Beobachtungsstudien und kurzfristigen randomisierten Studien zeigt keine signifikante Veränderung des mittleren arteriellen Blutdrucks unter TRT bei einem typischen, gut ausgewählten Hypogonadismus-Patienten. Andere, besonders solche mit präziserer, kontinuierlicher Blutdrucküberwachung statt einer einzelnen Praxismessung, erfassen einen kleinen, aber statistisch signifikanten Anstieg — meist in der Größenordnung von einigen Millimetern Quecksilbersäule beim systolischen Blutdruck. Diese Abweichung erklärt sich teilweise dadurch, dass der Effekt in der gesamten behandelten Population nicht einheitlich ist — er scheint bei Männern ausgeprägter, bei denen die Therapie den Hämatokrit deutlich erhöht hat, während er bei den übrigen praktisch nicht nachweisbar ist.
Blood pressure responses to testosterone therapy are amplified by hematocrit levels in opioid-induced androgen deficiency: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial
Mäßige Evidenz
Olesen TB, Glintborg D, Jøhnk F, Olsen MH, Andersen MS · Journal of Hypertension · 2024
In dieser randomisierten, placebokontrollierten Studie bei Männern mit Testosteronmangel infolge chronischen Opioidgebrauchs stieg der mittlere systolische Praxisblutdruck in der TRT-Gruppe um 6,2 mmHg, während er in der Placebogruppe um 7,0 mmHg sank — die Differenz zwischen den Gruppen betrug 13,2 mmHg. Wichtig: In der TRT-Gruppe ging jeder Anstieg des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg mit einem Anstieg des Hämatokrits um etwa 0,3 Prozentpunkte einher, während dieser Zusammenhang in der Placebogruppe nicht beobachtet wurde — was auf den Hämatokrit als zentrales mechanistisches Bindeglied zwischen Testosterontherapie und Blutdruckanstieg hinweist.
Die untersuchte Population (Männer mit Testosteronmangel infolge chronischen Opioidgebrauchs) unterscheidet sich vom typischen Patienten, der TRT wegen klassischen, altersbedingten Hypogonadismus beginnt, weshalb sich die Effektgröße nicht direkt auf jede behandelte Gruppe übertragen lässt. Die Richtung des Zusammenhangs — stärkerer Blutdruckanstieg bei stärkerem Hämatokritanstieg — zeigt sich jedoch konsequent in vielen Analysen, was ihn zum verlässlichsten Element des Gesamtbildes macht.
Hauptmechanismus: Hämatokrit, Blutviskosität und Gefäßwiderstand
Der am besten dokumentierte Weg, über den TRT den Blutdruck erhöhen kann, ist nicht die direkte Wirkung von Testosteron auf die Gefäße, sondern ein indirekter Effekt — über den Anstieg des Hämatokrits, also des prozentualen Anteils roter Blutkörperchen am Blutvolumen. Testosteron ist einer der stärksten physiologischen Stimulatoren der Erythropoese, und bei einem Teil der behandelten Männer — besonders bei Injektionsformen mit hohen Spitzenkonzentrationen — führt das zu sekundärer Erythrozytose. Dichteres, viskoseres Blut setzt dem Durchfluss in den peripheren Gefäßen größeren Widerstand entgegen, was sich in einem höheren Druck niederschlägt, der zum Durchpumpen durch den Kreislauf nötig ist. Das ist ein rein physikalisches (rheologisches), kein hormonelles Phänomen im engen Sinne — analog dazu, warum Menschen mit Polyzythämie oder chronischer Hypoxie (z. B. Bewohner großer Höhen, starke Raucher) häufiger erhöhten Blutdruck haben.
Den Hämatokrit-Mechanismus besprechen wir gesondert
Den vollständigen, detaillierten Mechanismus, warum und wie Testosteron den Hämatokrit erhöht — die Rolle von Erythropoetin, direkte Knochenmarkstimulation und der Hepcidin-Abfall — beschreiben wir in einem eigenen Beitrag zu TRT und Hämatokrit. Hier konzentrieren wir uns auf die Konsequenz dieses Phänomens für den Blutdruck, nicht auf die Wiederholung des Mechanismus von Grund auf.
Die praktische Konsequenz ist einfach: Männer, bei denen TRT den Hämatokrit deutlich erhöht — häufiger jene mit selten in hohen Dosen verabreichten Injektionsformen von Testosteron — sind gleichzeitig die Gruppe, bei der ein messbarer Blutdruckanstieg am wahrscheinlichsten ist. Das ist ein zusätzliches Argument dafür, Hämatokrit- und Blutdrucküberwachung als zwei Elemente desselben, zusammenhängenden Sicherheitspuzzles der Therapie zu betrachten, nicht als zwei unabhängige, separate Themen.
Zweiter, schwächerer Mechanismus: Natrium- und Flüssigkeitsretention
Neben dem hämatokritbezogenen Effekt wird in der Literatur ein kleinerer, direkterer Mechanismus beschrieben: Testosteron kann bei einem Teil der Männer die Natrium- und Wasserretention über die Nieren verstärken, teilweise durch Einfluss auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und Interaktionen mit Mineralokortikoidrezeptoren. Dieser Effekt ist meist bescheidener als der über den Hämatokrit und individuell variabler — bei einem Teil der Patienten äußert er sich in den ersten Wochen der Therapie durch diskrete Knöchelödeme oder ein Gefühl der „Schwellung“, was selbst ein bei der Blutdruckkontrolle notierungswürdiges Signal für Flüssigkeitsretention sein kann.
Meist vorübergehender Effekt
Vorläufige Evidenz
Bei den meisten Männern scheint die flüssigkeitsretentionsbedingte Komponente in den ersten Wochen bis Monaten der Therapie am größten zu sein und lässt mit der körperlichen Anpassung teilweise nach, im Gegensatz zum hämatokritbedingten Effekt, der beständiger sein kann, solange Dosis und Therapieform unverändert bleiben.
Mythos
Da Testosteron den Blutdruck nur „ein bisschen“ erhöht, hat es keinen Sinn, ihn während TRT überhaupt zu messen.
Fakt
Selbst ein moderater, wenige Millimeter betragender Blutdruckanstieg hat klinische Bedeutung bei Männern, die bereits nahe an der Bluthochdruckgrenze waren — er kann sie von der Kategorie „hochnormaler Blutdruck“ in die interventionsbedürftige Kategorie verschieben. Genau deshalb ist die Blutdruckmessung günstig, schnell und es lohnt sich, sie in die Routinekontrolle einzubeziehen, unabhängig davon, wie bescheiden der durchschnittliche Effekt in der Population ist.
Was TRAVERSE und spätere ambulante Analysen zeigten
Die im New England Journal of Medicine veröffentlichte TRAVERSE-Studie bleibt die wichtigste bisherige Datenquelle zur allgemeinen Herz-Kreislauf-Sicherheit von TRT — Testosteron erhöhte das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse (MACE) gegenüber Placebo bei Männern mit Hypogonadismus und erhöhtem kardiologischem Risiko nicht signifikant, allerdings wurden in der behandelten Gruppe häufiger Vorhofflimmern, akute Nierenschäden und Lungenembolie verzeichnet. Spätere, ergänzende Analysen des ambulanten Blutdruckmonitorings (ABPM), durchgeführt im Rahmen des Forschungsprogramms zu diesem Themenfeld der Testosteron-Sicherheit, zeigten, dass Testosteronprodukte den Blutdruck ausreichend erhöhen können, um eine Aktualisierung der Beipackzettelinformationen zu rechtfertigen — einer der Gründe, warum ein Teil der Testosteronprodukt-Etiketten heute einen Warnhinweis zum Blutdruck enthält.
Das ändert das allgemeine TRT-Sicherheitsbild nicht
Aktualisierungen der Beipackzettel bezüglich Blutdruck bedeuten nicht, dass TRT als Ganzes weniger sicher geworden ist — sie bedeuten, dass die Aufsichtsbehörde diesen konkreten, überwachbaren Parameter für wichtig genug hielt, dass Patienten und Ärzte ihn bewusst verfolgen. Das entspricht dem redaktionellen Ansatz dieses Artikels: Blutdruck als einer der routinemäßig überwachten Parameter, nicht als Grund für einen Therapieverzicht.
Wen es am stärksten betrifft
Der Effekt von TRT auf den Blutdruck verteilt sich nicht gleichmäßig in der behandelten männlichen Population. Mehrere Gruppen erscheinen besonders anfällig für einen messbaren Anstieg, was bereits bei der Zulassung und Planung der Kontrollhäufigkeit berücksichtigt werden sollte.
Gruppen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eines Blutdruckanstiegs unter TRT
Männer mit bereits diagnostiziertem, auch gut kontrolliertem Bluthochdruck vor Therapiebeginn
Personen mit „hochnormalem“ Blutdruck (nahe an der Bluthochdruckgrenze) bei den Ausgangsmessungen
Männer mit Übergewicht oder Adipositas, bei denen das Risiko für Natrium- und Flüssigkeitsretention naturgemäß höher ist
Personen mit Injektionsformen mit hohen Spitzenkonzentrationen, besonders bei Tendenz zu deutlichem Hämatokritanstieg
Männer mit zusätzlichen, von TRT unabhängigen hämatokriterhöhenden Faktoren — Rauchen, unbehandelte Schlafapnoe, Aufenthalt in großer Höhe
Praktische Blutdrucküberwachung während TRT
Der Blutdruck erfordert kein eigenes, kompliziertes Überwachungsprotokoll während TRT — es genügt, ihn als festen Bestandteil derselben Kontrollvisite zu behandeln, bei der Blutbild, Lipidprofil und PSA bewertet werden. In der Praxis bedeutet das eine Blutdruckmessung bei jeder ärztlichen Kontrolle im Zusammenhang mit der Therapie, nicht nur beim ersten Zulassungstermin.
Wie man den Blutdruck während TRT vernünftig überwacht
Blutdruckmessung als Ausgangswert vor Therapiebeginn, am besten in mehreren unabhängigen Messungen, nicht einmalig
Kontrolle bei jeder mit der TRT-Überwachung verbundenen Visite — meist zusammen mit dem Blutbild nach einigen Monaten und erneut um den 12. Therapiemonat
Erwägung eines häuslichen, eigenständigen Blutdruckmonitorings (mehrere Messungen pro Woche) bei Männern mit Ausgangsblutdruck nahe der Bluthochdruckgrenze
Zusammenführung von Blutdrucktrend und Hämatokrittrend bei derselben Kontrolle — ein gleichzeitiger Anstieg beider ist ein Signal, eine Anpassung von Dosis oder Verabreichungsform zu erwägen
Meldung von Symptomen an den Arzt, die auf einen signifikanten Blutdruckanstieg oder erhöhte Blutviskosität hindeuten können: starke Kopfschmerzen, Schwindel, Ödeme der unteren Extremitäten, Herzklopfen
Situation
Typisches Vorgehen
Blutdruck vor TRT normal, bleibt während der Therapie normal
Standardkontrollen gemäß TRT-Überwachungsplan, ohne zusätzliche Maßnahmen
Leichter Blutdruckanstieg ohne Hämatokritanstieg
Beobachtung, Bewertung von Ernährung (Natrium), Körpergewicht und anderen typischen, von TRT unabhängigen Bluthochdruckfaktoren
Blutdruckanstieg parallel zum Hämatokritanstieg
Erwägung einer Änderung des Dosierungsschemas oder der Verabreichungsform (siehe Beitrag zu TRT und Hämatokrit), häufigere Kontrollen
Bluthochdruck trotz Therapieanpassung anhaltend
Standardmäßige blutdrucksenkende Behandlung parallel zu TRT, Bewertung gemeinsam durch den behandelnden Arzt und Internisten/Kardiologen
Orientierender Ansatz zur Ergebnisinterpretation — ersetzt keine individuelle ärztliche Bewertung.
Blutdruck als Element der Risikobewertung vor Beginn von TRT
Der Blutdruck sollte bereits im Rahmen der Therapiezulassung bewertet werden, nicht erst nach ihrem Beginn — er ist eines der Elemente der breiteren, standardmäßigen Herz-Kreislauf-Risikobewertung vor TRT, die auch Blutbild mit Hämatokrit, Lipidprofil und Anamnese hinsichtlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfasst. Ein Mann mit unbehandeltem oder schlecht kontrolliertem Bluthochdruck wird nicht automatisch von TRT ausgeschlossen, aber es ist eine vernünftige klinische Praxis, den Blutdruck — durch Lebensstiländerung, medikamentöse Therapie oder beides zugleich — auszugleichen, bevor oder parallel zum Beginn der Testosterontherapie, um nicht mit zwei sich überlagernden, unkontrollierten Variablen gleichzeitig zu starten.
Schlecht kontrollierter Bluthochdruck vor TRT erfordert Aufmerksamkeit, keinen automatischen Ausschluss
Der Beginn einer Testosterontherapie bei einem Mann mit deutlich erhöhtem, unbehandeltem Blutdruck bedeutet die Überlagerung zweier potenziell additiver Herz-Kreislauf-Risikofaktoren zum Start. Standardmäßige, vorsichtige Praxis ist zunächst oder parallel der Blutdruckausgleich, und erst danach oder während dieses Prozesses — der Beginn von TRT unter strenger Aufsicht, nicht umgekehrt.
Den vollständigen Umfang der vor Beginn einer Testosterontherapie empfohlenen Untersuchungen und Bewertungen — nicht nur im Kontext des Blutdrucks, sondern der gesamten Zulassung — besprechen wir ausführlich in einem eigenen Beitrag zu Untersuchungen vor TRT. Die allgemeinen Grundsätze im Umgang mit Bluthochdruck selbst, unabhängig vom Kontext der Testosterontherapie, beschreiben wir in einem eigenen Beitrag zu Bluthochdruck.
Ist das ein Grund, TRT zu meiden?
Für die überwiegende Mehrheit der Männer — mit normalem oder gut kontrolliertem Ausgangsblutdruck, ohne Tendenz zu übermäßigem Hämatokritanstieg — ist der dokumentierte Einfluss von TRT auf den Blutdruck so bescheiden, dass er allein bei realer klinischer Indikation (bestätigtem Hypogonadismus und begleitenden Symptomen) keinen Grund zum Therapieverzicht darstellt. Er reiht sich eher in dasselbe Schema wie Hämatokrit, Lipidprofil oder PSA ein — etwas, das man kennen, überwachen und bei Bedarf aktiv korrigieren sollte, statt es zu ignorieren oder sich von vornherein davon vom Behandlungsbeginn abschrecken zu lassen.
Praktischer redaktioneller Rat
Wenn du TRT erwägst und in der Anamnese Bluthochdruck oder grenzwertige Ergebnisse hast — betrachte das nicht als Kontraindikation, sondern als Signal, den Arzt um häufigere Blutdruckmessungen in den ersten Therapiemonaten zu bitten, besonders wenn du dich für eine Injektionsform mit höherem Risiko für Hämatokritanstieg entscheidest.
Blutdruck ist unter TRT selten ein Problem an sich — meist ist er ein Signal, dass es sich lohnt, Hämatokrit, Verabreichungsform und Dosis genauer anzuschauen, bevor man zu einem zusätzlichen blutdrucksenkenden Medikament greift.
dr Piotr Zieliński, Endokrinologe, VitMode-Redaktion
Häufig gestellte Fragen
Nicht bei jedem. Der Effekt ist individuell variabel — bei vielen Männern bleibt der Blutdruck stabil, bei anderen steigt er klinisch nicht messbar, und bei einem Teil, besonders bei deutlichem Hämatokritanstieg, ist der Anstieg real und erfordert Aufmerksamkeit. Deshalb ist eine individuelle Überwachung entscheidend, nicht die Annahme eines einzigen Szenarios von vornherein.
Die reine Diagnose Bluthochdruck schließt die Therapie nicht aus, wenn er gut kontrolliert ist. Unbehandelter oder schlecht kontrollierter Bluthochdruck sollte als Element der Risikobewertung vor Beginn von TRT ausgeglichen werden, um die Therapie nicht mit zwei sich überlagernden, unkontrollierten Faktoren gleichzeitig zu beginnen.
Der am besten dokumentierte Mechanismus ist der Anstieg des Hämatokrits und die damit verbundene höhere Blutviskosität, die den Gefäßwiderstand erhöht. Ein kleinerer, individuell variablerer Mechanismus ist verstärkte Natrium- und Flüssigkeitsretention. Den detaillierten Mechanismus des Hämatokritanstiegs unter TRT beschreiben wir in einem eigenen Beitrag.
Ein praktischer Ansatz ist die Blutdruckmessung bei jeder TRT-Kontrollvisite, also meist zusammen mit dem Blutbild nach einigen Therapiemonaten und erneut um den 12. Monat. Männer mit Ausgangsblutdruck nahe der Bluthochdruckgrenze können von einer häufigeren häuslichen Überwachung profitieren.