Was Menschen, die den Leberreischling zum ersten Mal probieren, am meisten überrascht, ist der Geschmack — völlig anders als bei typischen Speisepilzen. Statt der milden, erdigen Note, die man vom Champignon oder Steinpilz kennt, hat das rohe Fleisch einen deutlich sauren, fast zitrusartigen Geschmack, der manchmal mit einem leicht herben Apfelessig verglichen wird.
MythosEs ist ein Pilz, also sollte er wie andere Pilze schmecken — erdig und mild.
FaktDer Leberreischling ist eine Ausnahme unter den Speisepilzen — sein Geschmack wird von Säure dominiert, nicht von Umami oder Erdigkeit. Deshalb wird er eher mit Sauerampfer oder Rhabarber verglichen als mit einem Champignon.
Hitzeeinwirkung verändert den Geschmackscharakter deutlich — Kochen, Schmoren oder Braten mildert die Säure und bringt Noten hervor, die typischen Pilzen näher sind, wenngleich ein spürbarer saurer Unterton bleibt. Deshalb greifen viele Menschen, die den rohen Leberreischling nicht mögen, gerne nach kurzem Anbraten zu ihm.
Die Intensität der Säure ist zudem nicht konstant — sie hängt von der Jahreszeit, den Wachstumsbedingungen und vor allem vom Alter des Fruchtkörpers ab. Junge, frische Exemplare sind oft merklich weniger sauer als ältere, voll ausgereifte, deren Geschmack häufig als herber und ausgeprägter beschrieben wird. Das ist einer der Gründe, warum zwei Personen, die Leberreischling aus unterschiedlichen Funden probieren, ein völlig unterschiedliches Geschmackserlebnis beschreiben können.